Bankier Max Doertenbach, 1867 - 1960
07.07.2018    |    Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

Die Dividendenkönige von morgen


Nach den höchsten Ausschüttungen aller Zeiten sollten Anleger ihre Dividenden jetzt wieder anlegen. Wie findet man die Aktien mit dem stärksten Dividendenwachstum?

Von HANNO MUSSLER


Hinter  den Aktionären deutscher Aktiengesellschaften liegt die ertragreichste Dividendensaison aller Zeiten. Von Ende Januar bis Ende Mai schütten die 30 Dax­ Unternehmen 36 Milliarden Euro ihrer  Gewinne an ihre Aktionäre aus, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Von 100 Unternehmen im F.A.Z.-Index gibt es in diesem Jahr noch von drei Unternehmen etwas:  Fielmann (Hauptversammlung am 12. Juli), Südzucker (19. Juli) und Hella Hueck (28. September) zahlen im Anschluss an ihre Aktionärstreffen noch ihre Dividenden.

Aber das ist nur die Nachhut. 97 der  100 Unternehmen im F.A.Z.-Index haben in diesem Jahr schon gezahlt, alle hundert werden 2018 insgesamt 4,7 Milliarden  Euro an Gewinnen ausschütten, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Was sollten Anleger mit diesen erhaltenen Dividenden  tun? "Wieder in Aktien investieren", lautet die klare Ansage von Georg Thilenius.

Der Stuttgarter Vermögensverwalter ist ein großer Anhänger von Aktien. Starke Dividendenwerte empfiehlt er vor allem seinen älteren  Kunden, für die im Ruhestand laufende  Erträge  wichtig sind. "Unsere Anleger wollen aber nicht nur gute und möglichst sichere Dividenden, sondern Wachstum der Dividenden", erzählt Thilenius gern. Doch wie findet man die? Schließlich sind die dividendenstarken Aktien von heute nicht zwingend die dividendenstarken Aktien von morgen.

Vor zehn Jahren sagte Thilenius im Gespräch  mit der F.A.Z. dazu: "Wer in den letzten  zwölf Jahren die Dividende kontinuierlich erhöht hat, über zwei Konjunkturzyklen hinweg und insbesondere in den zwei schlechten Jahren 2002 und 2003 stets Dividende gezahlt hat, für den kann man eine hohe Prognosewahrscheinlichkeit veranschlagen, dass er auch künftig Dividende zahlen und sie regelmäßig erhöhen wird."

Balkendiagramm

Ergebnis dieser Überlegungen damals im Mai 2008 war: Thilenius empfahl allen voran den deutschen Chemiewert BASF, dessen Dividende damals in elf Jahren um 18 Prozentjährlich gewachsen war, den Ölwert Total, dessen Dividende um 13 Prozent jährlich gestiegen war und die britisch-asiatische Bank HSBC, deren  Dividende sogar um 25 Prozentjährlich geklettert war. Zusätzlich hatten  die Aktionäre noch mit den drei Aktien in elf Jahren durchschnittlich Kursgewinne von 300 Prozent erlebt. Wie sind Anleger seither mit den drei Aktien gefahren und welche Dividendentitel empfiehlt Thilenius heute?

Die besten Dividendentitel


Unter Thilenius 13 Dividendenfavoriten befindet sich nach wie vor die BASF, die in den vergangeneu elf Jahren ihre Dividende um 106 Prozent steigerte und deren Aktienkurs darüber hinaus um 8o Prozent kletterte. Ein Verlustbringer dagegen war die Aktie von HBSC, die durch die Finanzkrise zwar nicht so schlimm litt wie die meisten anderen  Banken. Doch wegen sinkender Erträge
durch mehr Regulierung und Marktanteilsverlusten an die großen amerikanischen Banken mussten HSBC die Dividende um 32 Prozent kürzen, auch der Aktienkurs verlor 30 Prozent.

Ein bestenfalls gemischtes Bild liefert auch Thilenius dritte Empfehlung aus 2008, die Total­ Aktie. Die Dividende stieg im Verlauf der vergangeneo elf Jahre um immerhin 31 Prozent. Enttäuschend aber ist die Kursentwicklung mit einem Minus von 11Prozent. "Total hat wenig Wachstum und eine schwache Kursentwicklung gegenüber Konkurrenten wie Exxon und Chevron, deren Dividenden zudem stärker  um 122 und 156 Prozent in den vergangeneo elf Jahren gewachsen sind", stellt Thilenius fest.

Wie findet man starkes Dividendenwachstum?


Das schwache Abschneiden seiner ehemaligen Favoriten HSBC und Total hat Thilenius veranlasst, seine Auswahlmethode zu schärfen, denn von der Grundidee der dynamischen Dividende ist er nach wie vor überzeugt. Üblicher ist, auf die aktuelle Dividendenrendite zu schauen, worunter  man die zuletzt gezahlte oder für das nächste Mal angekündigte Dividende bezogen auf den aktuellen Aktienkurs versteht. Hier liegt BASF derzeit mit seiner. Dividendenrendite bei ordentlichen 3,8 Prozent.Thilenius hält es aber für sinnvoller, den Einstiegskurs zu betrachten. "Wer Ende 1995 BASF-Aktien zum Kurs von etwa 8 Euro gekauft hat, dem bringt die aktuelle BASF-Dividende von 3,10 Euro bezogen auf seinen damaligen Einsatz eine stattliche jährliche Rendite von mehr als 35 Prozent", rechnet er vor.

Wie findet  man nun die Unternehmen, deren  Dividende voraussichtlich stark wachsen wird? Oft stehen sie im Gegensatz  zu vermeintlich hohen Dividendenzahlern wie dem deutschen Versarger RWE oder dem britischen Ölwert Royal Dutch. Diese weisen zwar eine hohe aktuelle Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent  auf.

Aber Thilenius hat Zweifel, dass ihre Dividenden stark wachsen werden. "In meine Dividendenprognoseformel fließt die Aktienkursentwicklung über den langen Zeitraum von elf Jahren mit der Finanzkrise und der Rezession in den Jahren 2008 und 2009 ein. Wenn ein Unternehmen nicht nur die Dividende, sondern über einen so schwankungsintensiven Zeitraum auch den Aktienkurs möglichst verdoppelt hat, dann  zeigt dies großes Vertrauen der Anleger in weiter wachsende Dividenden und steigende Kurse", argumentiert Thilenius.

Von Unternehmen, die derzeit eine sehr hohe Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent aufweisen, empfiehlt er nur einen: Den Schweizer Versicherertitel Zurich. Wenig Zweifel an einem weiter dynamischen Dividendenwachstum hegt Thilenius dagegen bei seinen drei Top­ Favoriten: Dem schwäbischen Maschinenbauer Hermle, dem finnischen Aufzugshersteller Kone und dem amerikanischen Softwarehersteller Microsoft.

Diese Unternehmen haben in den vergangeneu elf Jahren die Dividenden besonders dynamisch um mehr als 200 Prozent gesteigert, der Schweizer Lagerlogistiker Kardex seit 2013 um 157 Prozent. "Diese Favoriten sind Marktführer in ihrer jeweiligen Branche, haben langfristiges Wachstum, sind auf Kernkompetenz fokussiert, und haben eine starke Marktposition in oft oligopolistischen Märkten", zählt Thilenius zusätzlich qualitative Stärken seiner Top-Favoriten auf. Darüber hinaus liefert sein Dividenden-Wachstums­-Formel als weitere attraktive Dividendentitel für die Zukunft: Allianz, Hannover Rück und BASF aus dem F.A.Z.-Index, Roche und Nestlé aus der Schweiz sowie Intel,  Exxon und Chevron aus Amerika.



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